Freude über ein großes Vermächtnis in Wangen im Allgäu

13.10.2019 Wangen im Allgäu. Die Wangener Bürgerin, Martha Ehrmann, hat acht Institutionen, Kirchengemeinden und Stiftungen nach ihrem Tod im Dezember 2018 jeweils ein großzügiges Vermächtnis hinterlassen.

Jetzt trafen sich Vertreter der bedachten Vereinigungen und Institutionen im Rathaus in Wangen, um offiziell das Erbe anzutreten, das ihnen der Testamentsvollstrecker Jürgen Schumacher übergab.

Schumacher sagte, er habe diese Aufgabe sehr gern übernommen, unter anderem weil er Martha Ehrmann schon viele Jahre kannte und ihr bei finanziellen Fragen stets ein wichtiger Ansprechpartner gewesen war. Oberbürgermeister Michael Lang dankte Schumacher für seine Arbeit, mit der vielen Institutionen eine Freude machen konnte.

Zeitlebens im Dienst der Gemeinschaft

Martha Ehrmann hat zeitlebens Gutes für die Gemeinschaft getan, wie ihre Nachbarin Iris Schneider berichtete. Die beiden Frauen lebten seit 1974 gegenüber voneinander in der Berger Höhe und waren auch gut befreundet. Martha Ehrmann stammte aus Bad Wurzach, wo sie zunächst auf dem elterlichen Hof und ab 1955 im Rathaus von Ziegelbach als Verwaltungsangestellte arbeitete. Dort war auch ihr Vater Bürgermeister. Schmunzelnd sagte Iris Schneider, man habe in Bad Wurzach oft sagen hören, dass der eigentliche Bürgermeister Tochter Martha gewesen sei.

Tatsächlich gab es eine Verbindung der Familien Schneider und Ehrmann aus den Bad Wurzacher Zeiten. Der Zufall wollte es, dass Iris Schneiders Vater als Immobilienhändler den Hof der Familie Ehrmann verkaufte. Und ebenso zufällig begegneten sich der Vater von Iris Schneider und der Vater von Martha Ehrmann an der Baustelle des Hauses der Familie Schneider.

Kontakt zu Bad Wurzach erhalten

In Bad Wurzach war Martha Ehrmann lange Jahre Mitglied im Liederkranz gewesen und später war sie Gründungsmitglied des Wandervereins. Auch nach ihrem Wegzug nach Wangen hielt sie enge Verbindung in ihre Heimatstadt und besuchte nicht nur die Liederkranzkonzerte, sondern auch das Heilig-Blut-Fest, wie Jürgen Schumacher feststellt.

Immer hilfsbereit

Martha Ehrmann wurde als naturverbunden, aber auch dem Menschen zugewandt und sozial engagiert beschrieben. „Sie engagierte sich von Anfang in der Nachbarschaftshilfe und fuhr von St. Vinzenz aus mit ihrem Mercedes das Essen aus“, erzählte Iris Schneider. Nie habe sie dafür eine Entlohnung gewollt. „Sie war christlich und fromm, und man konnte immer auf sie zählen“, sagte Iris Schneider. Sie schilderte, wie ernst es Martha Ehrmann nahm, wenn sie auf das Schneidersche Haus aufpasste, während Iris Schneider und ihr Mann auf längerer Reise unterwegs waren. „Sie leerte nicht nur den Briefkasten und ließ die Rollläden rauf und runter. Sie hängte auch mal Wäsche hinterm Haus auf die Leine, damit es bewohnt aussah. Sie hat einfach immer geholfen, wie sie konnte.“ Und so pflegte sie auch ihren Mann Fritz, den sie erst spät ehelichte, aufopferungsvoll bis zu seinem Tod.

Bei allem sei sie auch eine eigenwillige Persönlichkeit gewesen, die konsequent ihre Ziele verfolgte. Und sie liebte die Präzision. Bis ins hohe Alter strickte sie beispielsweise Socken, bei der eine Masche der nächsten glich, und verschenkte sie. Martha Ehrmann war einziges Kind ihrer Eltern und hatte selber keine Kinder. Sie starb 90-jährig in Bad Wurzach.

Vermächtnis soll caritativen Projekten dienen

Weil sie sehr sparsam lebte, konnte sie ein ansehnliches Vermögen hinterlassen, von dem rund 600 000 Euro an in Wangen ansässige Institutionen gehen. So wird ein Teil der Summe für den Erhalt der Spitalkirche angelegt. Diese Kirche lag Martha Ehrmann besonders am Herzen. Auch für den Erhalt von St. Martin hat sie eine Summe bestimmt, die an die katholische Kirchengemeinde gehen wird. Der Trägerverein des Hospiz‘ am Engelberg, Calendula, wurde von ihr ebenso bedacht wie die Bürgerstiftung Wangen im Allgäu, die ihr Vermächtnis vor allem zugunsten von alten Menschen einsetzen soll. Dies werde der Stiftung nicht schwer fallen versicherten die beiden Vorstände, Volker Leberer und Andreas Grüneberger. Denn schon jetzt finanziere die Stiftung Projekte in den Pflegeheimen, um dort Abwechslung in den Alltag zu bringen.

Kinder lagen ihr am Herzen

Auch Kinder seien ihr besonders wichtig gewesen, sagte Jürgen Schumacher. Diese Zuneigung mag sich in der Erblassung an den Förderkreis für leukämie- und tumorkranke Kinder Ulm widerspiegeln. Bei der Vorsitzenden des Vereins, Elvira Wäckerle, und ihrem Mann, Richard Wäckerle, der ebenfalls im Vorstand des Förderkreises arbeitet löste das Erbe große Freude aus, denn in den vom Verein gebauten Wohnhäusern werden Jahr für Jahr 22000 Übernachtungen von Kindern und Eltern registriert, bis die Ärzte die Heimreise erlauben. In vielen Fällen übernehmen die Krankenkassen die Kosten nicht für die Familienangehörigen. Gleichzeitig sorgt der Verein dafür, dass Geschwister eines kranken Kindes vor Ort in den Kindergarten oder in die Schule gehen können.

Auch die Stadt Bad Wurzach sowie die katholischen Kirchengemeinden Bad Wurzach und Ziegelbach wurden von Martha Ehrmann bedacht.

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