Literaturtage-Bilanz 2020: Zeichen für den hohen Stellenwert der Kultur

15.11.2020 Wangen im Allgäu. Zahlreiche ausverkaufte Veranstaltungen, ungewöhnliche Leseorte und unterschiedliche Formate. Bestärkt durch positives Feedback vom Publikum und Autorinnen und Autoren ziehen das Städtetrio und der Landkreis Ravensburg trotz verfrühtem Ende eine positive Bilanz.

Unter dem Motto „Weiterlesen“ haben sie bewiesen, dass stimmungsvolle Kulturveranstaltungen mit guten Konzepten in Zeiten der Corona-Pandemie möglich sind.

Die gemeinsame Kulturarbeit möchten die beteiligten Städte über den Festival-Zeitraum hinaus fortsetzen.

Rund 50 Literaturveranstaltungen konnten stattfinden; ungefähr dieselbe Anzahl musste abgesagt werden.

Manches wird später ermöglicht

Manche Programmpunkte, darunter einige Schulklassenlesungen, Schulprojekte und Ausstellungen können trotz der aktuellen Einschränkungen fortgeführt werden.

Die Kulturämter und Stadtbibliotheken planen einzelne ausgefallene Veranstal-tungen im kommenden Jahr außerhalb der Reihe nachzuholen.

Aktuelle Informationen und Rückblicke werden auf die Website der Literaturtage gestellt. Spannende Ein- und Rückblicke sowie Gedanken rund um das Thema Literatur und Buch von vier jungen Bloggerinnen aus Isny Leutkirch und Wangen laden zum Weiterlesen ein.

Große Namen des bundesweiten Literaturbetriebs waren zu Gast in Isny, Leutkirch und Wangen, darunter Rufus Beck, Axel Hacke und Denis Scheck. Autorinnen und Autoren aus Baden-Württemberg haben gezeigt, was dieses Land mit der tief verwurzelten Literaturgeschichte zu bieten hat. So ehrte Franziska Walser die Schriftstellerin Maria Beig mit einer Lesung zu ihrem 100. Geburtstag.

Zudem hat das Württembergische Allgäu sich unter anderem mit einer thematischen Reihe zu Günter Herburger und einer Literatur-Wanderung mit Ute Dittmar und Berthold Büchele als bemerkenswerte Kulturregion prä-sentiert.

Eine Besonderheit waren städteübergreifende „Brückenprojekte“: Starfriseur Danny Beuerbach hat seinen mobilen Friseur- und Vorlese-Salon in allen drei Städten aufgebaut. Bekannte Kinder- und Jugendbuchautorinnen und -autoren reisten von Stadt zu Stadt. Und Lesezelte mit vielfältigen Kulturangeboten haben das Sortiment der traditionsreichen Wochenmärkte erweitert.

Viele ehrenamtliche Akteure

Nicht nur auf programmatischer und organisatorischer Ebene war der Geist der diesjährigen Landesliteraturtage ein kooperativer, denn das Veranstaltungsprogramm wurde von vielen ehrenamtlichen Akteuren mitentwickelt und getragen.

Das Lese-Festival war Stadtgespräch:

Ganz unterschiedliche Menschen haben sich ausgetauscht, einen Blick über die eigenen Gemarkungen geworfen und das Literaturprogramm der anderen bei-den Städte besucht.

Bereits zu Beginn der zweijährigen Planung stand für die Ausrichter fest: Vom gemeinsamen Begeistern fürs Lesen und dem kooperativen Charakter soll die Region nachhaltig profitieren.

Nach gelungener Zusammenarbeit und bemerkenswerter Resonanz kündigen Isny, Leutkirch und Wangen an, unter dem Schlagwort „Kultur im Dreieck“ eine feste gemeinsame Veranstaltungsreihe in den Blick zu nehmen.

Viel Zuspruch erhielt das Städtetrio für seine Entscheidung, die Literaturtage in Zeiten der Corona-Pandemie durchzuführen. Ohne das Vertrauen in die Veranstalter und ihre Konzepte wäre das Lese-Festival nicht möglich gewesen.

Rückendeckung haben Isny, Leutkirch und Wangen vom Initiator der Literaturtage, dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, sowie von den beiden Hauptsponsoren, der Volksbank Allgäu-Oberschwaben und den Oberschwäbischen Elektrizitätswerken, erhalten.

Ob nun als Kitt, Triebfeder, Lebensmittel, Motor oder Fundament: Die letzten Monate und die aktuelle Situation zeigen, dass Kultur für das Funktionieren der Gesellschaft unverzichtbar ist. Sie bezeugen auch: Kultur ist anpassungsfähig. Sie kann anders gedacht und muss in besonderer Weise geschützt werden.

Jede einzelne Literaturbegegnung war wertvoll. Wenn die Situation es wieder zulässt, werden Isny, Leutkirch und Wangen ihre Erfahrungen als Handwerkszeug für künftige Kulturveranstaltungen nutzen. Auf mehr „Kultur im Dreieck“ darf man gespannt sein.

Stimmen zu den Baden-Württembergischen Literaturtagen 2020

Landrat Harald Sievers, Schirmherr:

„Ich bin froh, daß wir die Literaturtage Mitte Oktober trotz der seit dem Frühjahr bestehenden Corona-Unsicherheit für jedwede Veranstaltungsplanung gestartet haben. Die tolle erste Halbzeit hatte einen großen Publikumserfolg, zu dem ich unserem Allgäuer Städtedreieck Isny, Leutkirch und Wangen aus vollem Herzen gratuliere. Die Literaturtage waren ein gerade in dieser Zeit besonders wichtiges Hochfest der Kultur, das nicht nur den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern und unserem Landkreis, sondern auch den Autorinnen und Autoren einfach gutgetan hat.“

Kulturstaatssekretärin Petra Olschowski, Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg:

„Isny, Leutkirch und Wangen haben ein vielfältiges Programm auf die Beine gestellt und in der Entwicklung tragfähiger Hygienekonzepte Flexibilität bewiesen. Die Umsetzung haben sie mit Bravour gemeistert. Umso bedauerlicher ist es, dass die Literaturtage jetzt unterbrochen werden müssen. Ich freue mich aber dennoch über jede Literaturveranstaltung, die stattfinden konnte. Und die Netzwerkstrukturen zwischen haupt- und ehrenamtlichen Partnern in den drei Städten sowie dem Landkreis Ravensburg sind ein hohes Gut, das über die Literaturtage Baden-Württemberg hinaus bleiben wird. Von der engen Zusammenarbeit und Solidarität wird die Region noch lange profitieren.“

Axel Hacke:

„Ich habe in meinem Leben schon mehr als tausend Lesungen gemacht und war auf vielen Literaturtagen, Festivals, Buchfesten. Die Lesung in Leutkirch wird zu meinen besten Erinnerungen gehören: ein herzlicher Empfang, ein waches Publikum, ein toller Saal – und ein so kenntnis- wie abwechslungsreich gestaltetes Programm. Es war ein großes Vergnügen für mich, leider eingeschränkt durch die Bedingungen der Pandemie. Andererseits finde ich es gerade in solchen Zeiten wichtig, so lange wie möglich in der Öffentlichkeit präsent zu bleiben. Gerade in solchen Zeiten brauchen wir alle gemeinsames Erleben, Anregung, Freude, Auseinandersetzung – und das alles hatten wir in Leutkirch.“

Denis Scheck:

„Den Veranstaltern der Baden-Württembergischen Literaturtage in Leutkirch, Isny und Wangen ein großes Kompliment: sie haben ihr Menschenmögliches getan, Autorinnen und Autoren auch in schwierigen Zeiten ein Forum zu bieten und so Literatur auch unter Pandemiebedingungen zu Gehör bringen. Für dieses Engagement gebührt ihnen großer Dank.“

Karl-Heinz Ott:

„Es war eine Wohltat, in den letzten Monaten wieder Veranstaltungen machen zu können. Und das Schönste: Es hat bestens geklappt, trotz aller Vorsichtsmaßnahmen. In Leutkirch hatte uns die Evangelische Kirche ihre Pforten geöffnet, wodurch mehr Leute kommen konnten als an den üblichen Leseorten. Ich war begeistert. Eine wunderbare Atmosphäre. Bei allem Bedauern, dass man danach nicht noch in größerer Runde bei einem Glas Wein zusammenstehen konnte. Doch auch das wird sich wieder ändern. Unsere Politiker haben es derzeit alles andere als leicht. Ich gehöre zu den Letzten, die ihre Maßnahmen kritisieren. Trotzdem muss man bedenken, dass die wirklichen Gefahren nie von solchen Veranstaltungen ausgegangen sind. Bei jedem privaten Fest und jeder sonstigen Menschenansammlung geht es unberechenbarer zu. Meines Erachtens hätte man der Kultur weiterhin die bewährten Spielräume gewähren sollen.“

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