Neue Umspannanlage in Obermooweiler

18.6.2019 Wangen im Allgäu. Die Energiewende kommt in Wangen im Allgäu an. 50 Millionen Euro investieren Transnet BW und ABB in den Bau einer Schaltanlage samt einer Kompensationsdrosselspule neben dem Gelände des Entsorgungszentrums in Obermooweiler.

Der Neubau, der bis 2026 abgeschlossen sein soll, ist laut Transnet BW notwendig, aus zwei Gründen notwendig. Erstens muss der Strom nach der Energiewende aus dem Norden in den Süden und aus Österreich ins Allgäu kommen können, damit Baden-Württemberg als Großabnehmer zuverlässig mit Energie versorgt wird.

Zweitens muss der Strom aus den vielen kleinen „Kraftwerken“ wie Windparks oder Photovoltaikanlagen ins Netz eingespeist werden, ohne dass dieses aus dem Gleichgewicht gerät.

„Die Schaltanlage ist eine Pilotanlage“, wie Vorstandsvorsitzender Dr. Werner Götz von Transnet BW beim Spatenstich am 15. Mai 2019 sagte. Sie ist hochkomplex und dient dem Schalten von Stromkreisen in Verteil- und Übertragungsnetzen.

Innerhalb der Anlage stehen die Teile unter Hochspannung und müssen isoliert werden. Bisher wird dafür das Gas Schwefelhexafluorid (SF6) verwendet. Dieses Gas ist nicht giftig und nicht brennbar, aber es hat einen großen Nachteil. Es hat negative Auswirkungen auf das Klima. „Nachhaltigkeit ist für uns ein wichtiger Faktor“, sagte Götz.

Bei einer Führung wurde deutlich, was das bedeutet: 10 Gramm SF6 in der Atmosphäre wären auf 100 Jahre betrachtet so wirksam wie rund 230 kg CO2. Dieses wiederum erzeuge ein größerer Mittelklassewagen auf der Fahrt von Berlin nach Rom, hieß es.

In der neuen Anlage wird mit dem Gas AirPlus gearbeitet, das zwar nicht das Potenzial von SF6 habe, aber deutlich günstiger für die Klimabilanz sei, wie Markus Heimbach, ABB Manager in Zürich, erläuterte. Eine Anlage dieser Art sei mit einer Spannung von 170 KV in Zürich bereits 2015 installiert worden. Nun setze man in Zusammenarbeit mit Transnet BW eine Anlage mit 380 KV um.

Oberbürgermeister Michael Lang dankte allen, die in Zeiten der Energiewende für Netzstabilität sorgen, insbesondere Transnet BW, denn das Unternehmen schaffe unter anderem mit der großen Baumaßnahme in Obermooweiler die Voraussetzungen für künftige Versorgungssicherheit in Baden-Württemberg. Er stellte auch die beiden betroffenen Ortsvorsteher vor: Berthold Riether aus Niederwangen, auf dessen Gemarkung die Anlage liegt, sowie Dr. Hermann Schad, dessen Ortschaft Untermooweiler nur wenige 100 Meter entfernt liegt. Die Umspannstation in Obermooweiler habe eine lange Tradition im Allgäu, sagte OB Lang. „Sie verbindet uns mit den Illwerken in Vorarlberg. Wir bekommen auch von dort Strom.“ Das Zusammenwirken über die Grenzen hinweg werde in Zukunft immer wichtiger, sagte er.

In der Tat ist der Knoten in Obermooweiler im Stromtransport vergleichbar mit einem Autobahnkreuz im Verkehr. Es wird mit Strom von den Verteilerstellen Dellmensingen (Alb-Donau-Kreis), Grünkraut (Kreis Ravensburg) und Bürs in Vorarlberg beliefert. Aus Bürs kommen sogar zwei Leitungen.

Die Kompensationsdrosselanlage, die ebenfalls auf dem Gelände installiert wird, stabilisiert die Spannung im Netz immer bei 50 Hertz. Auch sie notwendig, weil durch die Einspeisung erneuerbarer Energien der Bedarf steigt, die Netzspannung zu regeln. Fällt die Netzspannung unter 50 Hertz, so flackere im günstigen Fall das Licht, im ungünstigen gehe es ganz aus, wie Pressesprecher Alexander Schilling verdeutlichte.

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